Die Verleihung: Das Goldene Brett 2023

5. Oktober 2023

Stadtsaal Wien

Die Verleihung des Goldenen Bretts fĂŒr den grĂ¶ĂŸten antiwissenschaftlichen Unfug des Jahres findet wieder statt. Die drei Top-Kandidaten werden prĂ€sentiert, der PreistrĂ€ger wird verkĂŒndet, das „Goldene Brett fĂŒrs Lebenswerk“ wird vergeben.

Die große Verleihung findet am 05.10.2023 um 19:30 im Stadtsaal (Mariahilfer Straße 81, 1060 Wien) statt.

Die Verleihung live im Satdtsaal Wien

Was dich erwartet: Durch den Abend fĂŒhrt Martin Puntigam von den Science Busters. Auf der BĂŒhne gibt es neben hervorragenden Laudationes Unterhaltung durch

Die Laudationes kommen dabei von


Mit freundlicher UnterstĂŒtzung von:


Die Nominierten

Politologin Ulrike Guerot, der Finanzwissenschaftler Stefan Homburg und der Fernsehintendant Ferdinand Wegscheider stehen auf der Shortlist fĂŒr den Negativpreis fĂŒr antiwissenschaftliche Schwurbelei.

Ulrike Guerot

Ulrike Guerots Arbeit mag auf den ersten Blick harmlos und konstruktiv erscheinen: Sie sprach sich scharf gegen Corona-Maßnahmen aus – eine prinzipiell legitime Meinung. Sie setzte sich fĂŒr „Corona- Aussöhnung“ ein – wer könnte da dagegen sein?

Doch ein genauerer Blick offenbart dahinter ein verschwörungstheoretisch-antiwissenschaftliches Weltbild. Daten werden selektiv ausgewĂ€hlt, Statistiken werden falsch dargestellt, trotz klarer Widerlegung bleibt eine Korrektur aus. Man stĂ¶ĂŸt bei Guerot auf die wissenschaftlich falsche Vorstellung, man könne mit „Yoga und SpiritualitĂ€t“ das „Immunsystem stĂ€rken“ und so auf Corona- Maßnahmen verzichten. Manchmal sind ihre Thesen unfreiwillig komisch – etwa wenn sie behauptet, die „mĂ€nnliche BrutalitĂ€t“ bei einem Fernsehinterview habe bei ihr spontan zu einem Herpes- Ausbruch gefĂŒhrt. Manchmal klingen ihre Slogans aber auch bedrohlich: Um Leute wie Anthony Fauci und Bill Gates solle man „sich kĂŒmmern“. Und „die dunklen Gestalten von Pfizer und Co“ lasse man „nicht entkommen“. Guerot propagiert damit das Narrativ der großen Corona-Verschwörung, obwohl gerade sie als Politologin es besser wissen mĂŒsste.

Auch mit Aussagen ĂŒber Russlands Angriff auf die Ukraine sorgte Guerot fĂŒr Aufsehen: Die Rolle der Ukraine sei es gewesen, stellvertretend fĂŒr den Westen einen Krieg mit Russland zu beginnen, erklĂ€rt sie. Wer hier wen angegriffen hat, wird kurzerhand umgedreht. Auch falsche Zitate und PlagiatsvorwĂŒrfe brachten Guerot wiederholt in die Medien. Die UniversitĂ€t Bonn hat sich von ihr distanziert, der Rechtsstreit ĂŒber ihre KĂŒndigung ist noch nicht abgeschlossen.

Stefan Homburg

Stefan Homburg ist Finanzwissenschaftler. Er muss daher eigentlich wissen, wie man die Wirklichkeit mit mathematischen Formeln beschreibt. Trotzdem wurde er wÀhrend der Pandemie mit seinen alternativen Dateninterpretationen zu einem Star der antiwissenschaftlichen Querdenkerszene.

Goldenes-Brett-2023-Top3-Presseaussendung

Es gebe gar keine Pandemie, das sei bloß „kollektiver Wahn“, schrieb Homburg. „Long Covid“ sei bloß ein Marketingbegriff, nur das Testen sei das Problem. Schließlich erweiterte er seine Attacken gegen die wissenschaftlich belegte Medizin auch auf das Thema AIDS: Auch das sei ein „Fake“, mit dem man einen „Milliardenmarkt“ geschaffen habe. Er wĂŒrde mit einem positiven HIV-Test „ganz sicher keine Medikamente nehmen“.

Nachdem Homburg die Corona-Maßnahmen in Deutschland mit den Ereignissen unter der Nazi- Diktatur im Jahr 1933 verglichen hatte, distanzierten sich Senat, PrĂ€sidium und Hochschulrat seiner UniversitĂ€t, der Leibniz UniversitĂ€t Hannover, von ihm. 2021 trat er in den vorzeitigen Ruhestand, erreicht aber nach wie vor eine große öffentliche Sichtbarkeit.

Ferdinand Wegscheider

Der Sender ServusTV, als dessen Intendant Ferdinand Wegscheider ab 2016 arbeitete, machte wĂ€hrend der Corona-Pandemie einen Wandel durch: In Sendungen wie dem „Corona-Quartett“ wurde zentralen Persönlichkeiten der antiwissenschaftlichen Querdenkerbewegung eine Plattform geboten, unter anderem Sucharit Bhakdi, TrĂ€ger des „Goldenen Bretts vorm Kopf“ des Jahres 2020.

Besonders bekannt wurde Wegscheider durch seinen „satirischen WochenrĂŒckblick“ mit dem Namen „Der Wegscheider“. Sprachliche ZurĂŒckhaltung ĂŒbt er dort selten: Die Corona-Impfstoffe werden als „Genspritzen“ bezeichnet, von der „Impflobby“ ist die Rede, die „Menschen als Versuchskaninchen“ fĂŒr „unzureichend getestete“ Impfungen missbrauchen wĂŒrde. Das Entwurmungsmittel Ivermectin wird als sinnvolle Behandlung von Covid-19 prĂ€sentiert. Auch mit anderen VerschwörungserzĂ€hlungen spielt Wegscheider, etwa im Zusammenhang mit den TerroranschlĂ€gen vom 11. September oder in Form von Attacken gegen die Klimabewegung.

Der Kritik an der Sendung wird mit dem Hinweis begegnet, es handle sich bloß um „Satire“. Schließlich tritt Wegscheider mit einem bunten Kasperl-Kopf auf. Doch gerade diese Ausrede ist besonders problematisch: Satire ist eine Kunstgattung, die mit beißendem Humor und Ironie Kritik ĂŒbt. Verschwörungstheorien werden allerdings weder humorvoll noch ironisch, bloß weil man sie mit dem Begriff „Satire“ versieht. Die Argumentation impliziert somit einen Freibrief fĂŒr jede Art von Fake News, solange sie durch das Etikett der Satire gegen berechtigte Kritik immunisiert wird.